INFOBRIEF: Neue DIN EN 1090-2:2018-09

Neue DIN EN 1090-2:2018-09 

Normen unterliegen einer stetigen Veränderung. Wird auf eine Norm verwiesen, ohne dass ihr Ausgabedatum genannt wird, ersetzt eine neue Ausgabe automatisch die alte Ausgabe. Mit dem Datum September 2018 ist die überarbeitete DIN EN 1090-2 für die Ausführung von Stahltragwerken erschienen. Da die DIN EN 1090-2 im europäisch harmonisierten Teil 1 nicht datiert ist, gilt die neue Ausgabe quasi sofort als verbindlich anzuwenden.

Die ganz wesentlichen Veränderungen sind:

  • Die Regeln zur Verarbeitung nichtrostender Stähle wurde wesentlich ausführlicher behandelt, so dass Deutschland zukünftig auf die Anwendung des Zulassungsbescheides verzichten kann (muss).
  • Neue Regelungen erlauben zukünftig die Verbindung von Betonstählen mit Baustählen. Die Verbindung von Betonstahl mit Betonstahl bleibt der DIN EN ISO 17660 überlassen.
  • Der Anhang B mit den Tabellen (Herstellungs- und Beanspruchungskategorie) zur Bestimmung der Ausführungsklassen entfällt. Es gilt künftig die im Anhang C der DIN EN 1993-1-1 (Eurocode 3) beschriebene Regelung.
  • Die Kreuzzugprobe nach DIN EN ISO 9018 wird jetzt erst ab S460 gefordert.
  • Die ergänzende zerstörungsfreie Prüfung an Kehlnähten ist nunmehr erst ab einer Blechdicke von mehr als 30 mm gefordert, das a-Maß größer 12 mm bleibt.
  • Für Stumpfnähte in der EXC2 gilt nun generell, dass diese min. 10% zu prüfen sind.
  • Für dünnwandige tragende Bauteile gilt nun die DIN EN 1090-4. Hier drunter sind Trapezbleche, die eine aussteifende Wirkung wie Verbände haben und Wechsel, die bei Lichtkuppeln u.ä. die Lasten in das Haupttragwerk leiten, zu verstehen.

INFOBRIEF: DIN EN 1090 im Kontext mit betrieblichen Einrichtungen

Zunächst einmal muss man feststellen, dass die DIN EN 1090-1 für das sogenannte „Inverkehrbringen“ von tragenden Bauprodukten aus Stahl und Aluminium zuständig ist.

Betriebliche Einrichtungen zählen zunächst einmal ganz allgemein nicht dazu. Hierbei muss man zunächst einmal die Herstellung von „innerbetrieblichen“ Treppen, Geländern, Balkonen, Podesten und sogar ggf. Regalen ausklammern, wenn diese für Mitarbeiter und Besucher allgemein zugänglich sind und genutzt werden. Zudem kann entscheidend sein, wenn derartige Bauprodukte Kräfte in die tragende Hallenkonstruktion einleiten. In diesen Fällen gilt die DIN EN 1090 auch.

Darüber hinaus werden aber auch eine ganze Reihe von Arbeits- und Handhabungsmitteln hergestellt, die nicht in den vorstehend erwähnten Bereich gehören. Hier gilt die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), welche der Umsetzung der europäischen Arbeitsmittelrichtlinie 89/655/EWG, später ersetzt durch 2009/104/EG dient.

Ganz allgemein werden dort Arbeitsmittel als Werkzeuge, Geräte, Maschinen und Anlagen definiert, welche der Arbeitgeber nur bereitstellen darf, wenn diese den Rechtsvorschriften der europäischen Union entsprechen.

Hierbei spielen die druckführenden Leitungen und Behälter (Druckgeräte- Richtlinie) eine ebenso wichtige Rolle, wie Einrichtungen zum Lagern und Umfüllen wassergefährdender Stoffe. Auch die täglichen persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) wie Arbeitsschuhe, Handschuhe, Gehörschutz, Atemmasken, etc. haben ihre CE-Zeichen und entsprechen somit formal den europäischen Vorgaben.

Maschinenanbauteile, wie Hub- oder Handling Einrichtungen werden oft hinterfragt, da diese in der Regel als Sonderkonstruktionen durch metallverarbeitende Unternehmen hergestellt werden. Diese Arbeitsmittel fallen sowohl unter die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) als auch unter die Maschinenrichtlinie.

In der BetrSichV werden diese im Anhang 1, Abschnitt 2.5 als `Arbeitsmittel mit herabfallenden Gegenständen` und unter Abschnitt 3.2 als `Arbeitsmittel zum Heben von Lasten` behandelt. Hierzu wird eine Kennzeichnung der Bauteile mit Hersteller, techn. Daten und Gefahrenhinweisen sowie ein Nachweis der Standsicherheit/Festigkeit insbesondere am Aufhängepunkt und die Angabe auf die zulässige Tragfähigkeit verlangt. Der Hersteller hat außerdem dem Anwender eine Betriebsanweisung zur Verfügung zu stellen.

Die Maschinenrichtlinie 2016 wird hierzu unter Punkt 1.3.2 ebenfalls recht konkret und sagt, dass Maschinen und ihre Verbindungen untereinander bei Belastungen (insbesondere auf Ermüdung) standhalten müssen. Im Artikel 5 steht zudem, dass der Hersteller vor dem Inverkehrbringen oder der Inbetriebnahme sicherstellen muss, dass die geltenden grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen zu erfüllen sind.

Um den Bogen zurück zur EN 1090 zu schlagen, kann sicherlich festgehalten werden, dass der Hersteller von derartigen Betriebsmitteln zur Wahrung der Produktsicherheit bei geschweißten Bauteilen nicht umherkommt, den speziellen Prozess `Schweißen` im besonderen Maße abzusichern. Das Schweißen ist deshalb speziell, da es vielfach im Nachhinein nicht möglich ist, die Qualität einer Schweißverbindung zu prüfen, ohne dieses zu zerstören.

Darum muss ein Hersteller geeignete Maßnahmen ergreifen, die die Qualität der Schweißung vermuten lässt. Ist der Hersteller nach DIN EN 1090 für den Prozess Schweißen qualifiziert und deckt das Schweißzertifikat die Herstellbedingungen ab, so ist dies eine gute Voraussetzung, den Qualitätsnachweis zu erbringen. Hat ein Hersteller diesen Nachweis nicht, so empfiehlt sich die DIN EN ISO 3834 „Schweißtechnische Qualitätsanforderungen“ als gleichwertiger Nachweis für die Herstellung von Betriebsmitteln.

INFOBRIEF: (Bau-)Rechtliche Grundlage der Anwendung der DIN EN 1090

Baurecht ist Landesrecht! Jedes Bundesland in Deutschland erlässt seine eigene Bauordnung. Jedoch stößt dieses Recht auf Grenzen, wenn es um Europa geht.

Die Regeln, die Europa macht, müssen auch in Deutschland umgesetzt werden. Also erlässt das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) sogenannte Musterbauordnungen und Bauregellisten, die dann von den Bundesländern bzw. Bauministern der einzelnen Bundesländer in nationales Recht umgewandelt werden müssen.

Man muss sich also nicht mit allen 16 Bauordnungen beschäftigen, denn inzwischen sind die einzelnen Bauordnungen soweit gleich, dass man getrost auf die Musterbauordnung schauen kann.

Im §17 der Musterbauordnung heißt es:

(1) Bauprodukte dürfen für die Errichtung, Änderung und Instandhaltung baulicher Anlagen nur verwendet werden, wenn sie für den Verwendungszweck
von den nach Absatz 2 bekannt gemachten technischen Regeln nicht oder nicht wesentlich abweichen (geregelte Bauprodukte) oder nach Absatz 3 zulässig sind und wenn sie aufgrund des Übereinstimmungsnachweises nach

§22 das Übereinstimmungszeichen (Ü-Zeichen) tragen oder nach den Vorschriften a) des Bauproduktengesetzes (BauPG), b) zur Umsetzung der Richtlinie 89/106 EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über Bauprodukte (Bauproduktenrichtlinie) vom 21. Dezember 1988 (ABl. EG Nr. L 40 S. 12), geändert durch Art. 4 der Richtlinie 93/68/EWG des Rates vom 22. Juli 1993 (ABl. EG Nr. L 220 S. 1), durch andere Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaften und andere Vertragsstaaten des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum oder c) zur Umsetzung sonstiger Richtlinien der Europäischen Gemeinschaften, soweit diese die wesentlichen Anforderungen nach § 5 Abs. 1 BauPG berücksichtigen, in den Verkehr gebracht und gehandelt werden dürfen, insbesondere das Zeichen der Europäischen Gemeinschaften (CE-Kennzeichnung) tragen und dieses Zeichen die nach Absatz 7 Nr. 1 festgelegten Klassen- und Leistungsstufen ausweist oder die Leistung des Bauprodukts angibt.

Dass bedeutet, dass jedes Bauprodukt, welches dauerhaft in ein Bauwerk eingebracht wird, entweder ein Ü-Zeichen oder ein CE-Zeichen oder eine andere bauaufsichtliche Zulassung haben muss.

Welches Bauprodukt nun welches Zeichen tragen muss, regelt die Bauregelliste. Diese ist wiederrum in drei Teile untergliedert. Teil A sind geregelte Bauprodukte mit dem Ü-Zeichen, Teil B sind geregelte Bauprodukte mit dem CE-Zeichen und Teil C sind die nicht geregelten bzw. Bauprodukte mit Zulassung ohne Grundlage einer technischen Norm. Die aktuelle Ausgabe 2015/2, welche man sich kostenlos als Download bei DIBt runterladen kann, ist im Teil B unter 1.4.10.4 die neue Regel DIN EN 1090 veröffentlicht. Darüber hinaus gibt es auch eine Liste der in Europa harmonisierten Normen, wo die DIN EN 1090 mit dem Datum der Koexistenzperiode 01.07.2014 veröffentlicht wurde, die ebenfalls im Download-bereich des DIBt zu finden ist.

Ab dem 01.07.2013 gilt die Bauproduktenverordnung Nr. 305/2011 (EU-BauPVO). Sie wurde europäisch vereinbart, da die nationale Umsetzung der Bauproduktenrichtlinie anscheint nicht so richtig geklappt hat, das heißt, dass einige europäische Mitgliedsstaaten diese Richtlinie nicht oder nur sehr unzureichend umgesetzt haben. Die neue Bauproduktenverordnung ist direkt umzusetzen und darf nicht mehr national angepasst werden. Auch hierzu gibt es ein Gesetz zur Anpassung des Bauproduktengesetzes an die Bauproduktenverordnung vom 05.12.2012.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass damit nun auch Strafen für fälschliche Deklarierung geregelt sind. So muss ein Hersteller oder ein Inverkehrbringer, der falsche Angaben macht oder nicht über eine entsprechende Zertifizierung verfügt, mit Geldstrafen von 10 000 Euro bis zu 50 000 Euro und möglicherweise mit Haftstrafen bis zu 1 Jahr rechnen. Zur Überwachung der Einhaltung der Vorgaben wurden Marktüberwachungsstellen bei den obersten Bauaufsichtsbehörden eingerichtet.

Ebenfalls ist mit der europäischen Bauproduktenverordnung die Notwendigkeit der Akkreditierung und Notifizierung der Zertifizierungsstellen verbunden.

INFOBRIEF: DIN EN 1090 und die Ausnahmeregelung der EU-BauPVO

Im Artikel 5 der europäischen Verordnung 305/2011, auch als Bauproduktenverordnung (EU-BauPVO) bekannt, steht, welche Ausnahmen von der Pflicht zur Erstellung einer Leistungserklärung es gibt. Hierbei heißt es:

Abweichend von Artikel 4 Absatz 1 [Dort steht: Ist ein Bauprodukt von einer harmonisierten Norm erfasst…., so erstellt der Hersteller eine Leistungserklärung, wenn es in Verkehr gebracht wird.] und bei Fehlen von Bestimmungen auf Ebene der Union oder auf nationaler Ebene, die die Erklärung Wesentlicher Merkmale dort vorschreibt, wo die Produkte zur Verwendung bestimmt sind, kann ein Hersteller davon absehen, eine Leistungserklärung zu erstellen, wenn er ein von einer harmonisierten Norm erfasstes Produkt in Verkehr bringt und….[jetzt folgen drei Bedingungen].

Zunächst aber sollte man sich mit dem ersten grundlegenden Teil beschäftigen. Der Artikel 5 beginnt mit den Worten `Abweichend von´, was bedeutet, dass dies die Ausnahme von der Regel sein soll. Daran schließt sich das Wort `und´ an, was bedeutet, dass dies ein weiterer Punkt ist, welcher erfüllt sein muss, um die dann folgenden drei Bedingungen in Anspruch nehmen zu können.

Und genau an dieser Stelle kommt es zu einem unterschiedlichen Verständnis. Die baurechtliche Verankerung der DIN EN 1090 ist unstrittig. (siehe INFOBRIEF „DIN EN 1090 und die baurechtliche Relevanz). Darum gibt es den zweiten Punkt nicht und die weiteren Bedingungen sind unerheblich.

Trotzdem schauen wir uns die drei Bedingungen an:
a) das Bauprodukt individuell gefertigt wurde… auf einen besonderen Auftrag hin…in ein einzelnes Bauwerk….

(Diese Punkte sprechen alle für ein handwerklich erstelltes Produkt. Voraussetzung ist aber, das Fehlen von Bestimmungen auf Ebene der europäischen Union oder auf nationaler Ebene. Die Ausführung von Stahl- und Aluminiumtragwerken nach DIN EN 1090 findet ganz überwiegend bei der Einzel- oder Kleinserienfertigung Anwendung. Eine andere Interpretation würde dem europäischen Grundgedanken des freien Verkehres von Personen, Waren und Dienstleistungen entgegenstehen.)

b) das Bauprodukt auf der Baustelle…gefertigt wird.

(Hier wird das Produkt nicht in Verkehr gebracht, da es vollständig auf der Baustelle entsteht, wobei nationale Vorschriften berücksichtigt werden müssen. Für metallische Bauprodukte würde die teilweise Vorfertigung als Bausatz gelten und die DIN EN 1090-1 erfasst auch solche Bausätze. Zudem gibt es Forderungen zum Schweißen auf der Baustelle (Herstellerqualifikation oder Schweißzertifikat nach DIN EN 1090.

c) das Bauprodukt auf traditionelle Weise….kulturelles Erbe…

(Hier steht die Renovierung von historischen Bauwerken im Vordergrund aber auch die Pflege traditioneller Bauweisen)

Dahingegen wird der Artikel 38 der EU-BauPVO nicht ausreichend zur Kenntnis genommen. Im Artikel 38 geht es um `vereinfachte Verfahren´. Hier steht;

(1) Im Falle von Bauprodukten, die von einer harmonisierten Norm erfasst sind und die individuell gefertigt wurden……, kann der Hersteller ….durch eine Spezifische Technische Dokumentation  die Konformität des Produktes nachweisen.

Dieser Artikel erlaubt es dem Hersteller von individuell gefertigten Bauprodukten, den Aufwand (und Kosten) für eine Erstprüfung im Verfahren 2+ durch eine spezifische technische Dokumentation (z.B. mittel statischem Nachweis, Konstruktionszeichnungen und einer Vertrags- und Konstruktionsprüfung, zu reduzieren.